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Peter August Böckstiegel, »Feiertag in Dornberg«/»Feiertag in Werther«, 1921, Radierung, 39,6 mal 49,6 Zentimeter, Privatbesitz, Bochum, ehemals wohl Städtische Kunstsammlungen Düsseldorf, EK 2735. Foto: Th. J., Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen, für Pressemeldungen ist der Herausgeber verantwortlich, die Quelle ist der Herausgeber

Den Nationalsozialisten galten sie als »entartet« – drei seit 1937 verschollene Kunstwerke von Peter August Böckstiegel wieder aufgetaucht

Den Nationalsozialisten galten sie als »entartet« – drei seit 1937 verschollene Kunstwerke von Peter August Böckstiegel wieder aufgetaucht

#Werther (Westfalen), 13. Januar 2026

Im Umkreis ihrer #Propagandaschau »#Entartete #Kunst« in München ließen die #Nationalsozialisten 1937 rund 20.000 Kunstwerke der »Moderne« aus Strömungen wie dem #Expressionismus, der Neuen #Sachlichkeit oder der #Abstraktion in deutschen Museen beschlagnahmen. Darunter waren auch 92 Gemälde, Aquarelle und Grafiken des »westfälischen Expressionisten« Peter August #Böckstiegel (1889 bis 1951).

Jetzt sind 3 dieser Arbeiten nach knapp 90 Jahren wieder aufgetaucht. Es handelt sich um die 3 Radierungen »Westfälischer Bauer«, »Ruhender Bauer« und »Feiertag in Dornberg« – das letzte Blatt ist ungewöhnlicherweise von Böckstiegel mit »Feiertag in Werther« betitelt. David Riedel, künstlerischer Leiter des Museum Peter August Böckstiegel, sagt dazu: »Es ist nicht das 1. Mal, dass Werke von Böckstiegel, die seit Jahrzehnten als verschollen galten, wieder auftauchen. Aber dieser Fund lässt erneut hoffen, dass bedeutende Werke, vielleicht sogar die von den #Nationalsozialisten beschlagnahmten Gemälde, noch existieren könnten. Für Böckstiegel bedeutete der Sommer 1937, dass er der öffentlichen Wahrnehmung durch seine Werke in Museen in ganz Deutschland vollständig beraubt war.«

Schon 2020 konnte das Museum Peter August Böckstiegel in der Ausstellung »Dunkle Jahre, voller Farben. Der Künstler Peter August Böckstiegel 1933 bis 1945« 4 wiederentdeckte Werke zeigen: 3 Radierungen und ein #Aquarell, ehemals aus den Museen in #Bielefeld, #Görlitz, #Bochum und #Stettin.

Die nun neu aufgetauchten 3 Werke gehörten wie die schon 2020 ausgestellten Arbeiten nach den Beschlagnahmungen dem Musikwissenschaftler Hans Erdmann (1911 bis 1986). Sie zeigen für Böckstiegel typische Motive, Porträts und das Bauernleben. Hans Erdmann hatte in den späten 1930er Jahren mit dem Aufbau einer Sammlung moderner Kunst begonnen. Als er 1942 eine Stelle als Dozent für Musikerziehung an der Lehrerbildungsanstalt in Güstrow antrat, kam er in Kontakt mit Bernhard A. Böhmer. Dieser, geboren in #Ahlen und ausgebildet zum #Bildhauer in Bielefeld, war neben 3 weiteren Kunsthändlern vom Reichspropagandaministerium mit dem Verkauf eines Großteils der zuvor beschlagnahmten »entarteten« Werke beauftragt worden – allerdings ausschließlich gegen Devisen und an Sammler im Ausland. Doch Böhmer hielt sich nicht an diese Vorgabe und gab offenbar mehrere, darunter von seinen Kollegen als »unverwertet« zurückgegebene Werke auch an deutsche Sammler weiter. So kam vermutlich Hans Erdmann in den Besitz zumindest eines Teils seiner Sammlung »entarteter« Kunst, die insgesamt 2 #Gemälde und ein #Konvolut von ursprünglich mehr als 100 Papierarbeiten umfasste.

Die Herkunft der 3 wieder entdeckten Arbeiten Böckstiegels ist bislang nicht in allen Fällen eindeutig zu klären, da es sich um Graphiken handelt, die zum Zeitpunkt der #Beschlagnahmeaktion an mehreren Museen vorhanden waren. So kommen etwa für die Graphik »Westfälischer Bauer« Herkunftsmuseen in #Düsseldorf, #Münster oder #Ulm in Frage. Im Rahmen der kunsthistorischen Beforschung der Sammlung »Hans Erdmann« an der Forschungsstelle »Entartete Kunst« der FU Berlin wird derzeit versucht, die Herkunft der 3 Blätter genauer einzugrenzen.

Mit der Auffindung der 3 Blätter sind nun alle 7 in Erdmanns Sammlung ursprünglich vorhandenen Werke von Peter August Böckstiegel wieder beisammen. Martin Langanke, in dessen Besitz sich die Bilder heute befinden, betont: »Es ist mir als Sammler eine ethische Verpflichtung, der kunstinteressierten Öffentlichkeit jene Arbeiten aus der Sammlung meines ›Schwiegergroßvaters‹ Hans Erdmann wieder zugänglich zu machen, die die Nazis durch die Beschlagnahmungen im Zuge der Aktion ›Entartete›Kunst‹ den Augen dieser Öffentlichkeit gerade für immer entziehen wollten. Auch auf dem Feld der Kunst muss man alles tun, um die Gesinnung von Nazis als das kenntlich zu machen, was sie war (und leider immer noch ist): blanker #Barbarismus. Die Werke stehen jederzeit als Leihgaben für Ausstellungen zur Verfügung – natürlich besonders im #Museum Peter August Böckstiegel.«

Zur Einordnung und Warnung von »Cancel Culture« (»NOW« Redaktion)

Wenn Werke von Peter August #Böckstiegel heute wieder auftauchen, die einst als »entartet« diffamiert wurden, dann geht es nicht um eine #Randnotiz der #Kunstgeschichte, sondern um die Spur eines gezielten kulturellen #Vernichtungsfeldzugs. Die nationalsozialistische Kampagne gegen die #Moderne war kein ästhetischer Streit, sondern ein Akt ideologischer Gewalt: #Kunst wurde zum #Feind erklärt, weil sie frei dachte, weil sie Vielfalt zeigte, weil sie sich nicht unterwarf. #Künstler wurden #enteignet, #entrechtet, aus dem #öffentlichen Leben gelöscht; ihre Werke aus Museen gerissen, verspottet, verkauft, verbrannt. Das Etikett »entartet« war dabei nichts anderes als ein Todesurteil für künstlerische Freiheit – gesprochen von einem Regime, das jede Abweichung als Bedrohung verstand und jede Form von Eigenständigkeit ausmerzen wollte.

Die #Barbarei dieser #Politik liegt nicht nur in der Zerstörung einzelner Bilder, sondern im Versuch, Erinnerung selbst zu kontrollieren und #Geschichte umzuschreiben. Die berüchtigten Ausstellungen, in denen diese Werke zur öffentlichen #Verhöhnung freigegeben wurden, waren Akte kultureller Demütigung – kalkuliert, massenwirksam, grausam. Millionen sahen Kunst nicht als Ausdruck menschlicher Erfahrung, sondern als »Beweis« für #angebliche #Degeneration. Dass heute einzelne dieser Werke wieder auftauchen, ist daher kein glücklicher Zufall, sondern eine späte Konfrontation mit einem systematischen #Verbrechen: dem Versuch, Kunst zu vernichten, um Denken zu vernichten. Jedes gerettete Bild steht damit nicht nur für einen Künstler, sondern gegen den historischen #Versuch, #Kultur durch #Angst, #Hass und #ideologische #Reinheitsfantasien auszulöschen.

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