

Thomas Hitzlsperger hat sein Coming-out nicht geschadet. Auch nach seiner Fußballkarriere ist er weiter erfolgreich. Foto: Philip Flämig, ZDF, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen, für Pressemeldungen ist der Herausgeber verantwortlich, die Quelle ist der Herausgeber
Kein Coming-out? »37°«-Reportage über Homosexualität im Fußball im ZDF
Bislang gibt es keine Studie zur Anzahl schwuler Spieler in der Bundesliga und keinen aktiven deutschen Profispieler, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hat. Thomas Hitzlsperger ist diesen Schritt gegangen – aber auch erst nach seiner aktiven Spielerzeit. Es dauerte lange, bis sich der heute 38-Jährige seine Homosexualität eingestand. Als er mit dem Gedanken spielte, sich zu outen, rieten ihm einige der Eingeweihten dringend davon ab. »Als Profispieler ist man ohnehin einem enormen Druck und der ständigen Öffentlichkeit ausgesetzt. Es braucht viel Selbstbewusstsein für ein Coming-out«, so Hitzlsperger.
Marcus Urban haben der Druck und die innere Zerrissenheit wohl die Karriere als Profifußballer gekostet. Als Jugendnationalspieler war er ein aufgehender Stern bei Rot-Weiß Erfurt. »Aber dass ich mich für Männer interessierte, wurde zu einem Riesenproblem für mich.« Urban, der für sein ästhetisches und passgenaues Spiel gefeiert wurde, gab sich zunehmend aggressiv auf dem Platz, pöbelte manchmal sogar mit homophoben Beleidigungen. »Ich wollte mit keiner Geste verraten, dass ich schwul bin.« Urban hatte Angst davor, zum Außenseiter zu werden. Schließlich gab er den Traum vom Profifußball auf. »Ich wollte lieber frei sein, als meine Sexualität und mein Wesen der Karriere wegen weiter zu verleugnen.«
Auch Benjamin Näßler hat seine Homosexualität jahrelang vor seiner Familie, seinen Freunden und seiner Mannschaft versteckt. Dabei spielte der heute 32-Jährige bloß in der Kreisliga in seiner schwäbischen Heimat. »Es ging eigentlich um nichts – und doch um alles. Ich wusste, was die Menschen in meiner Umgebung mit dem Wort ›schwul‹ assoziierten. Das war nie etwas Gutes.« Benjamin Näßler tat alles, um nicht aufzufallen. »Ich habe Freundinnen erfunden und mich machohaft benommen. Als mir alles über den Kopf wuchs, dachte ich sogar daran, mir das Leben zu nehmen.« Nach langen inneren Kämpfen fand Näßler den Mut, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Im Jahr 2019 wagte er sogar den Schritt an die Öffentlichkeit. »Vor allem jungen Spielern will ich es leichter machen, sich zu outen und stolz auf sich zu sein. Im Fußball geht es um Erfolg, und dabei ist es völlig egal, wen du liebst!«









